Wenn alles zu viel wird – Wie Rituale im Alltag helfen können

Wenn die Verarbeitung von äußeren Reizen und neuen Eindrücken (zu) viel Energie fordert, braucht es Maßnahmen, die einer möglichen Reizüberlastung entgegenwirken. Für viele Menschen mit Autismus können Rituale und fest geregelte Abläufe eine solche Entlastung bieten.

Verarbeitung von Reizen und Eindrücken im Alltag

Insbesondere wenn die Lebensumstände von vielen neuen Eindrücken geprägt sind – durch Schulwechsel, neuen Arbeitsplatz o.ä. – kann das Übermaß an äußeren Reizen sehr anstrengend sein. Man muss sich auf die neue Situation einstellen und die vielen neuen Eindrücke verarbeiten. Dabei geht es Menschen mit Autismus nicht anders als Neurotypen, wobei erstere die neuen Reize oft intensiver wahrnehmen und dadurch auch mehr Energie aufwenden müssen, um sich darauf einzustellen.

Aber auch im gewohnten Alltag gibt es immer wieder Situationen, die von Menschen mit Autismus viel Aufmerksamkeit und Energie fordern. Manchmal sind es sogar gerade die Situationen, die neurotypische Menschen als entspannend empfinden können: Die Bahn- oder Busfahrt zur Schule oder zum Arbeitsplatz, die Mittagspause mit Mitschülern oder Kollegen verbringen. Doch die reizintensive Umgebung in öffentlichen Verkehrsmitteln oder der Cafeteria wird von Menschen mit Autismus oft wesentlich deutlicher wahrgenommen als von neurotypischen Menschen und erfordert viel Konzentration.

Die Wirkung von Wiederholung

Bestimmte Rituale, die man in den Alltag integriert, können hier helfen. Menschen mit Autismus empfinden gleichbleibende Tagesabläufe oft als Entlastung. Denn wenn man weiß, was auf einen zukommt, kann man sich darauf einstellen und muss sich nicht jedes Mal neu an die Situationen gewöhnen. Die Standardisierung von Abläufen hilft dabei, nicht jedes Mal neu überlegen zu müssen, wie man reagieren soll.

Dies gilt natürlich nicht für alle gleich – jeder hat andere Bedürfnisse und empfindet verschiedene Dinge als entspannend. Deshalb ist es hierbei wichtig, dass jeder für sich selbst herausfindet, welche Abläufe ihm Sicherheit geben und welche festen Regeln und Strukturen man braucht, um der Reizüberlastung entgegenzuwirken. Standards, die von außen vorgegeben werden, können hingegen genau das Gegenteil bewirken und Stress verursachen. Deshalb braucht es Ruhe und die Möglichkeit, verschiedene Dinge im Alltag auszuprobieren, um herauszufinden, welche Rituale wirklich helfen.

Rituale als Entlastung

Wichtig zu verstehen ist, dass Rituale eine bestimmte Funktion erfüllen: Die Wiederholung von festen Abläufen und Verhaltensweisen bietet eine Art Rückzugsmöglichkeit, um der Überforderung bestimmter Situationen entgegenzuwirken. Für manche Menschen mit Autismus ist die beruhigende Wirkung von Wiederholungen so stark, dass sie sogenannte „repetitive Verhaltensweisen“ entwickeln. Zu diesem Thema gibt es bereits einen Artikel auf unserem Blog, den Sie hier lesen können: „Repetitives Verhalten: Ursachen und Umgang“.

Unabhängig davon, welche Wiederholungen und Rituale im Alltag Anwendung finden und in welchem Maß – feste Strukturen und Abläufe helfen, zur Ruhe zu kommen und zu entspannen. Rituale erfüllen also eine Art Schutzfunktion, indem sie der anstrengenden Verarbeitung von Eindrücken und Reizen und einer möglichen Überlastung entgegenwirken.

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