Regeln sind wichtig: So vermittelt man sie

Kinder brauchen Regeln und Kinder mit Autismus bilden hier keine Ausnahme. Und da die Erziehung jedes Kindes eine Herausforderung ist, geben wir hier einige Tipps.

Empathie und Klarheit

Der Fakt, dass für die richtige Erziehung von Kindern sehr viel Verständnis, Geduld und Einfühlungsvermögen nötig sind, hat an sich nichts mit dem Thema Autismus zu tun. Allerdings sind die Situationen von Kindern im Autismus-Spektrum in vielen Fällen spezieller als die von anderen Kindern, da sie häufig auf spezifische Dinge anders reagieren und bestimmte Zusammenhänge anders wahrnehmen und bewerten. Aus diesem Grund müssen Eltern von Kindern mit Autismus häufig noch mehr Einfühlungsvermögen haben, um eine mögliche Überforderung ihres Kindes im Vorhinein zu erkennen und zu vermeiden.

Mehr zu lernen

Kinder mit Autismus haben in verschiedenen Belangen oft mehr zu lernen als andere Kinder. Wo bei neurotypischen Altersgenossen das Erlernen von sozialen Fähigkeiten durch den Umgang mit anderen Menschen zu großen Teilen wie von selbst erlernt wird, benötigen Kinder mit Autismus in vielen Belangen Unterstützung und Anleitung. Sie brauchen, mehr als andere Kinder, vor allem eines: Klare Strukturen, die den Alltag gliedern und eine Grundlage bieten, von der aus das Lernen neuer Fähigkeiten behutsam und Schritt für Schritt erfolgen kann. Schritt für Schritt heißt hier: Erst, wenn eine Fähigkeit sicher erlernt ist, z.B. das richtige Sozialverhalten beim Essen, sollte die nächste vermittelt werden. Das ist einfach, klar, und vermeidet Überforderung, auch wenn es viel Geduld bedarf.

Struktur durch Regeln

Regeln müssen nicht nur vermittelt werden, die Vermittlung selbst muss klaren Regeln folgen. Es gilt daher nicht nur, Tischmanieren zu vermitteln, sondern auch, dass diese Vermittlung klare Abläufe hat. Das beginnt schon mit der Zeit: Feste zeitliche Abläufe sind wichtig. Dazu kann bereits gehören, dass das Mittagessen nach Möglichkeit zum Beispiel exakt um 12:30 Uhr fertig ist und nicht erst um 13:00 Uhr oder schon um 12:00 Uhr. Diese Zeiten sind natürlich Beispiele – Damit das Kind nicht verunsichert wird, sollte der Alltag aber klare Abläufe haben.

Eindeutige Sprache

Eine besondere Herausforderung ist wohl die Vermittlung von Höflichkeitsfloskeln. Das hat einen sehr logischen Grund: Denn eine zu indirekte Sprache kann bei Menschen mit Autismus oft zu Verständnisproblemen führen und gerade im Deutschen sind höfliche Ausdrucksformen oft sehr indirekt formuliert. Es wäre höflich zu sagen: „Könntest du bitte etwas weniger Lärm machen?“. So etwas wird jedoch oft seinem Wortlaut nach als unverbindliche Frage missverstanden. Wenn also etwas eine Anweisung ist, sollte es stets auch klar als solche Formuliert werden: „Sei ruhig!“.

Dieser direkte Umgangston mag zunächst unangenehm sein, ist jedoch für eine klare Kommunikation notwendig – und wichtiger, als direkt dem Kind von klein auf höflichere Ausdrucksweisen zu vermitteln. Das ist noch immer in einem weiteren Schritt möglich, wenn die Kommunikation klar funktioniert.

Klare Regeln und klare Strukturen sind also von größter Wichtigkeit, wenn es um die Erziehung von Kindern im Allgemeinen und speziell von Kindern mit Autismus geht. Noch wichtiger ist aber vor allem eines: Ein einfühlendes Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes, denn jedes Kind ist anders und will gefördert und geliebt werden.

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