Autismus und öffentliche Verkehrsmittel

Öffentliche Verkehrsmittel stellen für viele Menschen ein Ärgernis oder ein „notwendiges Übel“ dar. Und gerade für Menschen mit Autismus kann die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein belastendes Problem im Alltag sein. Es gibt jedoch ein paar Lösungswege, um die Fahrt angenehmer zu gestalten.

Planen und Vorbereiten

Verspätungen sind bei den öffentlichen Verkehrsmitteln in Deutschland leider keine Seltenheit. Sie sind ärgerlich und können ganze Termine und Pläne ins Chaos stürzen. So ärgerlich und stressig das schon für neurotypische Menschen ist – Für Menschen mit Autismus ist der Umgang damit oft noch schwieriger, denn jegliche Verspätung bedeutet eine Abweichung vom Plan, genauso wie Umleitungen oder Ersatzverkehr.

Für manche bedeutet es bereits eine Belastung, bloß nicht den richtigen Ausstieg zu verpassen. Sie müssen die ganze Zeit im Kopf behalten, dass man bald aussteigen muss und achten konzentriert auf jede Haltestelle.

Leider gibt es wenig Abhilfe für die Verspätungen und Fahrplanänderungen durch die öffentlichen Verkehrsmittel. Wenn man aber von vornherein genug Zeit für seine Fahrt zum Ziel einplant, ist bereits einiges gewonnen und der Stress wird minimiert. Änderungen durch Verspätungen oder andere Vorfälle sind zwar belastend in dem Moment, aber durch Gewohnheit und Techniken wie z.B. Achtsamkeitstraining, leichter zu bewerkstelligen.

Reizüberflutung

Laute Musik, Telefongespräche, klingende Handys, Essen und Trinken und die damit verbundenen Gerüche, lautes Reden, Lautsprecheransagen… Diese Reizüberflutung wird gerade in geschlossenen Bahnen und Bussen sehr anstrengend. Das gilt für jeden Menschen, aber Menschen mit Autismus nehmen diese sensorische Belastung oft besonders stark wahr.

Es eignet sich am besten, wenn man für sich selbst Bewältigungstechniken entwickelt und anwendet. Je nachdem womit man sich wohl fühlt und was einem am besten hilft, gibt es verschiedene Methoden, um sich zu beruhigen und abzukapseln. Menschen mit Autismus berichten von den unterschiedlichsten Methoden, die ihnen helfen: Musik oder ein Hörbuch hören; einfach nur Ohrstöpsel einsetzen; in die eigene Fantasiewelt abtauchen; eine Baseballkappe aufsetzen; eine Sonnenbrille aufsetzen.

Orientierung

Auch beim Thema Orientierung gilt: Jeder Mensch hat einen unterschiedlich stark ausgeprägten Orientierungssinn. Es gibt jedoch Menschen mit Autismus, die sich wegen ihres schlechten Orientierungssinns nur bedingt ohne Begleitung zurechtfinden. Für manch einen erscheint die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln daher schier unmöglich und ein Auto die bessere Wahl.

Sollte ein Auto allerdings keine Option sein, kann man die öffentlichen Verkehrsmittel dank moderner Technologie ganz gezielt nutzen, um zu seinem Ziel zu gelangen. Apps wie z.B. Google Maps oder auch Citymapper helfen, sich auf dem Weg zurechtzufinden. Es gibt auch Apps, die einem gleich anzeigen, wo man am besten einsteigt, um schneller umzusteigen oder zum Ausgang zu kommen.

Die Kleinigkeiten nicht aus den Augen verlieren

Manche Menschen mit Autismus neigen dazu, Dinge wie Tickets, Geld oder Kassenbons ganz schnell zu vergessen und verlieren. Hier hilft es, eine Routine für diese Alltagsdinge und ihre Handhabung zu schaffen: Das Geld kommt z.B. immer sofort ins Portemonnaie, welches immer im gleichen Teil der Tasche oder Jacke ist. Tickets kommen ebenfalls immer sofort in ein eigens für sie erstandenes Etui. Kassenbons werden mit dem Geld zusammen entweder im Portemonnaie oder zu Hause immer im gleichen Kästchen gelagert. So werden Gewohnheiten geschaffen, die das Risiko vermindern, diese kleinen, aber wichtigen Dinge zu verlieren.

Das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist oft unangenehm, kann aber mit einigen Schritten ganz gezielt angenehmer gestaltet werden. Dazu gilt es, Gewohnheiten zu entwickeln und eigene Strategien finden, um den Aufenthalt im öffentlichen Nahverkehr so angenehm wie möglich zu gestalten. Eine gute Planung und die Nutzung der Möglichkeiten von Apps helfen ebenfalls.

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