Derzeit immer häufiger angeboten: Selbsthilfegruppen für Menschen mit Autismus

Selbsthilfegruppen für Menschen mit Autismus, insbesondere Personen mit Asperger-Syndrom, findet man online immer häufiger. Aber sind sie für jeden das Richtige?

Eine andere Form der Hilfe

Das Prinzip sich gegenseitig zu helfen, indem man Erfahrungen austauscht und entsprechende Ratschläge gibt und erhält, ist in verschiedenen Bereichen und zu verschiedenen Themen bereits etabliert. Aber wie funktionieren Selbsthilfegruppen überhaupt? Das Hauptprinzip besteht darin, „gleich unter Gleichen“ zu sein. Das heißt, dass es im Normalfall zum einen keine Hierarchien in Selbsthilfegruppen gibt. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer kann – so zumindest die Idee – die eigene Meinung einbringen und wird dabei so ernst genommen wie jeder und jede andere. Ein weiterer wichtiger Aspekt von Selbsthilfegruppen ist, dass es einen gemeinsamen Anlass gibt, den alle Teilnehmenden gemeinsam haben. Im Idealfall keine Hierarchien zu haben bedeutet jedoch nicht, dass nicht bestimmte Aufgaben erfüllt werden müssen. Stets muss Organisatorisches beachtet werden, zum Beispiel was die verwendeten Räumlichkeiten sowie die Termine angeht. Derartige Aufgaben werden in vielen Selbsthilfegruppen unter den Teilnehmenden verteilt.

Sprechen mit Gleichgesinnten

Kernkompetenz von Selbsthilfegruppen ist der zwanglose Austausch von Gleichgesinnten untereinander zu einem gemeinsamen Thema. Dabei gibt eine Besonderheit von Selbsthilfegruppen von Menschen mit Autismus: Viele sind es gewohnt, hauptsächlich mit neurotypischen Menschen zu interagieren – Aus dem einfachen Grund, dass man diesen im Alltag öfter begegnet. Die Gruppendynamik unter Menschen mit Autismus ist jedoch oftmals eine ganz andere, als man es aus diesem Alltag kennt. Denn nicht nur versteht eine solche Selbsthilfegruppe die Bedürfnisse, die Menschen mit Autismus haben, ihre Mitglieder teilen selbst ebendiese Bedürfnisse. Es besteht also die Möglichkeit, untereinander ganz anders zu kommunizieren als es zwischen Menschen mit Autismus und neurotypischen Menschen der Fall ist. Wie genau sich dieses Anderssein ausdrückt, hängt immer von der einzelnen Gruppe ab. Die Kommunikation kann besonders einfach, aber auch besonders schwerfallen, denn wie auch bei Neurotypen gilt auch bei Autisten: jeder Mensch ist anders.

Nicht nur für Betroffene

Selbsthilfegruppen zum Thema Leben mit Autismus sind aber nicht nur etwas für Menschen, die selbst betroffen sind. Gerade Eltern von Kindern mit Autismus können in Selbsthilfegruppen eine wichtige Form der Unterstützung erhalten. Denn Informationen zum Thema kann man heutzutage sehr schnell finden, aber Selbsthilfegruppen bieten mehr als das: Der Austausch mit anderen Eltern von autistischen Kindern, die ähnliche Erfahrungen machen und mit ähnlichen Problemen konfrontiert werden kann nicht nur helfen, gemeinsam Lösungen für diese Probleme zu finden. Sehr wichtig ist auch das Gefühl, nicht allein zu sein, das Erleben, dass andere Menschen mitunter in der gleichen Situation sind wie man selbst. Selbsthilfegruppen können Sicherheit und Selbstvertrauen geben sowie den Umgang mit anderen Menschen auf eine einzigartige Weise schulen. Autisten und deren Angehörige haben hier die Möglichkeit, ihre eigenen Erfahrungen (sowohl positiv als auch negativ) zu teilen und sich so gegenseitig sinnvoll zu unterstützen.

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