Autisten lernen anders: So geht's am Besten

Etwas Neues zu lernen, ist immer ein Prozess. Wie dieser Lernprozess funktioniert und wie man ihn gestalten kann.

Menschen merken sich Dinge unterschiedlich

Jeder Mensch hat gewisse Talente und Vorlieben. Etwas Neues zu lernen fällt uns immer dann besonders leicht, wenn sie entweder unseren Talenten oder Vorlieben entsprechen – Im Idealfall natürlich beidem. Dinge, die uns wenig interessieren, können wir uns im Gegenzug schlechter merken und es fällt schwerer, sich auf sie zu konzentrieren. Bei Menschen mit Autismus kann dieser Unterschied besonders groß ausfallen. Viele einige Spezialinteressen, in denen ihnen das Lernen von neuen Informationen und das Erinnern von Fakten extrem leichtfällt. Andererseits gibt es Dinge, die sie einfach aufgrund ihrer anderen Wahrnehmung lieber ignorieren, um sich vor Reizüberflutung zu schützen. Beim Lernprozess von Menschen mit Autismus kommen zudem noch wichtige weitere Faktoren hinzu: Denn die Kommunikation mit und unter ihnen hat besondere Ansprüche, sodass nicht nur das zu vermittelnde Wissen, sondern auch die Form der Vermittlung dieser Informationen eigenen Regeln unterliegt.

Inhalt: Umgang mit anderen lernen

Zum einen muss man natürlich darauf achten, dass Menschen mit Autismus mitunter Dinge mit Aufwand erlernen müssen, die neurotypische Menschen „wie von selbst“ verstehen. Wo beispielsweise in der allgemeinen Bevölkerung soziale Interaktion „ganz automatisch“ dadurch unterstützt wird, dass Gesichtsausdrücke und damit verbundene Emotionen vom Gehirn unbewusst erkannt werden, müssen viele Menschen mit Autismus, diese Verbindung mühselig und bewusst erlernen. Denn die Fähigkeit, Mimik durch erlernte Beobachtungen interpretieren zu können, ist im Alltag ein großer Vorteil für sie.

Ähnlich ist es mit der Interpretation von Redewendungen, Ironie, Sarkasmus und so weiter. Das Konzept, dass Sachverhalte zum Ausdruck gebracht werden können, indem man das direkte Gegenteil dieser Sachverhalte sagt und dabei nonverbale Signale gibt, die deren Bedeutung umkehren, ist an sich ein sehr komplexes Verhalten. Menschen mit Autismus bereitet es daher oft sehr viel Aufwand, dieses Verhalten zum einen an Beispielen zu verstehen und zum anderen auf den allgemeineren Gebrauch von Ironie und Sarkasmus zu übertragen. Hier ist viel Beobachtung, Nachdenken und Lernen nötig, wo bei neurotypischen Menschen das Verständnis in solchen Fällen meist ohne Aufwand oder Missverständnisse erfolgt.

Form: Mit allen Sinnen lernen

Allgemein am besten bekannt, wenn man den Begriff „Lerntypen“ hört, sind wohl der sogenannte visuelle und der auditive Lerntyp. Die Begriffe sollten darstellen, dass manche Menschen sich besser Informationen merken können, die über die Augen aufgenommen werden und andere solche, die gehört werden. Diese Unterscheidung ist jedoch sehr reduktionistisch. Nicht nur der Sinneseindruck, über den Informationen aufgenommen werden, ist wichtig, sondern vor allem auch die Form, in der sie präsentiert werden sowie die Situation in der sie wahrgenommen werden. Visuell kann man beispielsweise zwischen Bild und Text unterscheiden, in der Situation von einer Lerngruppe oder Einzelstudium zu Hause am Schreibtisch. Dass manche Menschen auch besonders gut durch haptisches Lernen, also durch Reize, die vom Tastsinn ausgehen, wird bei der klassischen Unterscheidung zwischen visuell und auditiv ebenfalls nicht gewürdigt.

Dabei ist bei Menschen mit Autismus die Art der Informationsvermittlung sogar besonders wichtig. Oft unterschätzt wird die Wichtigkeit, die die Art der Sinnesreize für sie hat. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass bestimmte Geräusche oder Lichteindrücke zu einer Überforderung führen und vermieden werden sollten, selbst wenn sie nach „klassischen“ didaktischen Prinzipien förderlich erscheinen könnten. Stattdessen sollten Alternativen in Betracht gezogen werden, die schon damit beginnen können, dass die Intensität der Sinnesreize bewusst reduziert wird. Das kann oft bereits durch den richtigen Umgang oder die richtige Umgebung geschehen, bei der darauf geachtet wird, zu viel Ablenkung zu vermeiden, damit man sich auf die aktuelle Lernaufgabe konzentrieren kann.

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