Wie der Begriff „Helikopter-Eltern“ das Elternsein eines Kindes mit Autismus erschwert

Wer ein Kind mit Autismus hat, muss häufig in höherem Maße als andere Eltern auf schulische und häusliche Aktivitäten und Strukturen Einfluss nehmen. In einer Zeit, in der überfürsorgliche Eltern als „Helikopter-Eltern“ verrufen sind, ist eine gute Kommunikation umso wichtiger.

Was sind „Helikopter-Eltern“

Dieser Begriff ist vor einigen Jahren aufgekommen und inzwischen so weit verbreitet, dass es sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag und diverse Bücher dazu gibt. Es handelt sich dabei um eine Metapher, also ein sprachliches Sinnbild. Gemeint sind damit Eltern, die „wie ein Helikopter über ihrem Kind kreisen“. Das bedeutet, dass sie alles kontrollieren wollen, womit ihr Kind konfrontiert wird und es vor allen Schwierigkeiten und Hindernissen des Lebens behüten wollen.

Im Ansatz ist das Anliegen von „Helikopter-Eltern“ ja nicht falsch: Sie wollen, dass es ihrem Kind gut geht. Doch die Art und Weise, wie sie dieses Anliegen umsetzen und was sie dafür von Erziehern, Lehrern und Mitschülern verlangen – das entzieht sich oft jeder Logik und gesundem Menschenverstand.

Intensive Betreuung, aber keine Sonderbehandlung

Aber was, wenn die Betreuung des eigenen Kindes nunmal verlangt, dass man zum Beispiel den Alltag strukturierter planen muss und in engem Kontakt mit der Schule steht, um ungewohnte Situationen wie beispielsweise Schulausflüge ausführlicher vorbereiten zu können. Oder sich gegenüber Lehrern und Schulleitung einsetzt, damit zum Beispiel ein „Ruheraum“ oder Ähnliches zur Verfügung gestellt wird.

Der klare Unterschied zu „Helikopter-Eltern“ ist: Dabei geht es nicht um eine Spezial- oder Sonderbehandlung. Gerade in Bezug auf die Schule profitieren nämlich häufig nicht nur die Kinder mit Autismus, sondern auch die neurotypischen Kinder von einer inklusiven Gestaltung der Schullandschaft. Zu diesem Thema können Sie gerne auch unseren Artikel „Was für Kinder und Jugendliche mit Autismus in der Schule wichtig ist“ lesen.

Individuelle Förderung statt Überbehütung

Damit ein Kind mit Autismus richtig und passend gefördert werden kann, müssen sich eben häufig die Eltern gezielt für ihr Kind einsetzen. Das bedeutet meist vor allem, Rückzugsmöglichkeiten und feste Strukturen zu schaffen bzw. unterstützen. Vieles, was für andere Familien relativ entspannt geplant werden kann – wie Ausflüge oder Urlaube – müssen ausführlicher vorbereitet werden. Dies kann dazu führen, von außen als „Helikopter-Eltern“ wahrgenommen zu werden.

Nun könnte man einfach sagen: „Das kann einem doch egal sein“. Stimmt auch, allerdings ist das oft leichter gesagt als getan. Was hilft, ist eine offene Kommunikation. Wer darüber spricht, wie sein Kind seine Umgebung und Mitmenschen wahrnimmt, und wie man ihm liebevoll und entsprechend begegnet, dann hat das zwei positive Folgen: erstens distanziert man sich von dem vorurteilsbehafteten Begriff „Helikopter-Eltern“ und trägt zweitens zu einem besseren Verständnis des Themas Autismus bei.

„Helikopter-Eltern“ sind oft ehrgeizig und ängstlich, sie bevormunden ihr Kind und lassen ihm keine Möglichkeit, sich frei zu entwickeln. Ziel von Eltern sollte aber immer sein, das eigene Kind, ob nun mit Autismus oder ohne, zur Selbstständigkeit zu erziehen und individuell zu fördern. Um ein anderes Sinnbild zu gebrauchen: Den Weg für das Kind zu ebnen, aber nicht für das Kind zu gehen. Es also stark für die Zukunft zu machen und zur Selbstständigkeit zu erziehen. Dafür braucht es eine individuelle Förderung, die das Kind dabei unterstützt, sich frei zu entwickeln – und ihm genau diesen Freiraum nicht durch Überbehütung nimmt.

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