Kommunikation mit Autisten

Das zentrale Kommunikationsmittel in unserer Gesellschaft ist die Sprache. Über Worte schaffen wir Verbindungen, knüpfen Kontakte und teilen uns selbst mit. Was aber, wenn das Sprachverständnis bedeutend eingeschränkt ist? Wie kommuniziere ich verständlich mit einem Autisten, sodass wir uns gegenseitig verstehen können?

Oft ist die Informationsverarbeitung gerade von gesprochenen Worten bei Autisten verzögert. Lange Schachtelsätze, die zudem noch in hoher Geschwindigkeit mitgeteilt werden, können deshalb nicht gut vom Betroffenen verarbeitet werden. Am einfachsten ist es, wenn kurze und prägnante Sätze benutzt werden.

Sprachliche Bilder, Sprichwörter und Metaphern können ebenfalls kommunikative Stolperfallen darstellen. Verzichten Sie daher möglichst auf diese sprachlichen Mittel oder fragen sofort nach, ob der Sinn ihrer Aussage verstanden wurde. Einige Autisten haben Freude daran neue Ausdrucksweisen zu lernen. So können spielerisch immer wieder neue Elemente in den Gesprächen untergebracht werden, die auch den Autisten die Kommunikation mit Fremden erleichtert, da sie die geübten sprachlichen Mittel verstehen können.

Wichtig in Gesprächen mit Autisten ist es, ebenfalls möglichst auf doppeldeutige Sätze zu verzichten. Das Lesen zwischen den Zeilen und das Erkennen von weiteren Bedeutungen wie durch Sarkasmus und Ironie, fallen den meisten Autisten schwer. Auch wenn von dem Autisten selbst sarkastische Kommentare angewandt werden, bedeutet dies nicht, dass sie Ironie bei anderen erkennen können. Nutzen Sie daher Sarkasmus und Ironie möglichst nur dann, wenn Sie sich sicher sind, dass ihr Gegenüber versteht, was sie sagen wollen. Anderenfalls kann es zu Missverständnissen kommen und den Autisten sogar wütend oder traurig stimmen.

Weitere Besonderheiten können zudem Wortneuschöpfungen sein. Dies tritt auf, wenn ein Autist weiß, was er beschreiben möchte, aber ihm das richtige Wort nicht einfällt oder er nervös ist. In unseren Gesprächen fragen einige Autisten auch wiederholt nach, ob sie alles richtig verstanden haben. Dabei wollen sie ihr Gegenüber nicht auf den Arm nehmen, sondern nur sichergehen, dass sie dem Gesprächsverlauf noch adäquat folgen können.

Ebenso tritt bei manchen Autisten das Phänomen der Echolalie (Wiederholen des Gehörten) auf. Dies kann verschiedene Bedeutungen haben und ist nur in den seltensten Fällen sinnloses Nachplappern. Wird das Gehörte zum Beispiel sofort wiederholt, kann dies den Zweck erfüllen, dass der Autist das Gespräch aufrechterhalten und sein Verständnis mitteilen möchte: „Ich habe dich gehört und verstanden, was du gesagt hast“. Tritt die Echolalie erst zeitverzögert auf, kann dies ein Verweis auf eine bestimmte Situation sein. Statt einem: „Weißt du noch, als…“, wird einfach eine Aussage aus jener Situation wiederholt.

Insgesamt sind Gespräche und der Kontakt zu autistischen Menschen meist sehr interessant für beide Gesprächspartner. Der Autist kann einiges über den allgemeinen Sprachgebrauch und die Nutzung von Sarkasmus und sprachlichen Bildern lernen. Der neurotypische Partner dagegen kann lernen, sich bewusst auszudrücken und zu sagen, was er wirklich sagen möchte. Beachtet man die Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen beiden, können Missverständnisse gut umgangen werden und die Kommunikation erfolgreich stattfinden.

Autorin: J. Holthoff; 06-2017f

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