Fiktive Autisten im TV: Eine Fallstudie anhand von Sheldon Cooper und Abed Nadir

Autismus und Comedy – Funktioniert das? Die Serien „The Big Bang Theory“ und „Community“ haben Hauptcharaktere aus dem Autismusspektrum. Ein Vergleich.

Autisten als erfundene Charaktere

Nach dem Film „Rain Man“, in dem Dustin Hoffman einen Menschen mit frühkindlichem Autismus spielte, gab es lange Zeit nicht viele Versuche, Autismus über fiktive Figuren im Film zu präsentieren. Heutzutage ist Autismus jedoch deutlich mehr öffentliches Gesprächsthema als noch in den 80er Jahren. Das hat verschiedene Autoren und Regisseure motiviert, sodass heute mehr fiktive Figuren mit Autismus im TV zu sehen sind als je zuvor. Diese sind mal mehr, mal weniger gelungen, stellen ihren Autismus mal mehr und mal weniger in den Mittelpunkt. Das Risiko, hier ein falsches Bild zu präsentieren, ist gerade in Sendungen groß, die auf Lacher abzielen. Die zwei wohl bekanntesten Comedyserien, die Charaktere aus dem Autismus-Spektrum abbilden, sind „The Big Bang Theory“ mit dem Charakter Sheldon Cooper, gespielt von Jim Parsons und „Community“ mit dem Charakter Abed Nadir, gespielt von Danny Pudi. Die Darstellung dieser Charaktere als Menschen mit Autismus könnte anders kaum sein.

Sheldon Cooper – „The Big Bang Theory“ / „Little Sheldon“

Wenn man die Wichtigkeit einer Figur an Bekanntheitsgrad und Einschaltquote der betreffenden Show wertet, sollte man sich beim Thema fiktive Autisten in den Medien auf jeden Fall mit dem Charakter „Sheldon Cooper“ aus der Serie „The Big Bang Theory“ beschäftigen. Seit neustem gibt es einen Ableger der Serie, „Young Sheldon“, die den Jetzt-Hauptcharakter in dessen Kindheit im Jahr 1989 begleitet. Das zeigt die Beliebtheit des Charakters, der neben seiner enormen Intelligenz vor allem durch sein oftmals unbeholfenes Sozialverhalten auffällt, das ihn oft in absurde Situationen bringt. Generell kann man diese Wesenszüge im Autismusspektrum verordnen, wenngleich sie hier in extremem Maße klischeehaft dargestellt werden.

Allerdings kann Big Bang Theory Kritik an dieser Darstellung vor allem durch eines abwehren: Denn es wird an keiner Stelle bestätigt, dass Sheldon Autist ist. Verneint wird es aber eben auch nicht. Mayim Bialik, die Sheldons spätere Partnerin Amy spielt, betonte in einem Interview explizit, dass The Big Bang Theory bewusst die Figuren nicht pathologisiere. Nicht immer müsse alles aufgelöst oder mit Titeln und Kategorien eingeschränkt werden. Zumindest diese Aussage hat etwas Positives.

Abed Nadir – „Community“

Die Serie „Community“ ist erreicht in Deutschland nicht den Bekanntheitsgrad von „The Big Bang Theory“. Aber auch diese Comedyserie hat als eine ihrer Hauptfiguren jemanden mit deutlich erkennbaren Verhaltensweisen, die generell als Anzeichen von Autismus gelten. Anders als bei Sheldon wird bei Abed jedoch von vornherein explizit ab Folge 1 klargestellt, dass er Asperger-Autist ist. Einer der Charaktere stellt schlichtweg fest, dass er sicher ist, Abed habe Asperger – ganz ohne Wertung. Ziel von humoristischen Anspielung ist Abed als gleichwertiges Mitglied der Gruppe. Und nicht Abeds Autismus.

Generell macht Community in der Darstellung deutlich mehr richtig als The Big Bang Theory: Abed ist nicht hochintelligent, er ist ein gewöhnlicher Student mit einer großen Vorliebe für Filme und Serien, die auf recht glaubwürdige Weise seine Interaktion mit der Realität formt. Auch Abed verletzt manchmal aus Versehen die Gefühle seiner Freunde, entschuldigt sich aber dafür und versucht daraus zu lernen.

In „The Big Bang Theory“ wird in zehn Staffeln nie behauptet, dass Sheldon Autist sei. Und auch die Darstellung der Figur Abed Nadir in „Community“ ist nicht immer wirklich realistisch. Das muss sie aber in einer Comedyserie nicht sein – wichtig ist die Erkenntnis, dass auch Figuren mit Autismus witzig sein können – Ohne, dass es unbedingt ihr Autismus sein muss, der witzig ist.

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